Folge 27 - Ambivalenz
Shownotes
Nichts im Leben ist eindeutig. Was uns rettet, kann uns zugleich erschüttern. Was schmerzt, kann uns tragen.
In dieser Folge - der dritten unserer vierteiligen Reihe - tauchen wir ein in die Welt der Ambivalenz – dorthin, wo widersprüchliche Gefühle nicht gegeneinander kämpfen, sondern gleichzeitig wahr sind. Ein Lied aus dem Jahr 1896 blickt auf den Tod und entdeckt in ihm beides: Schrecken und Trost, Ende und Erlösung. Ihm gegenüber steht ein Song aus dem Jahr 2002, der zwischen Liebe, Verlust, Dankbarkeit und Schmerz keinen klaren Schlussstrich zieht – und gerade deshalb so berührt.
Eine Folge über die Kunst, Gegensätze auszuhalten. Über das Dazwischen. Und über die überraschende Kraft, die entsteht, wenn wir aufhören, uns für nur eine Wahrheit entscheiden zu wollen.
Hosts: Franziska Staubach (Fanny) und Frederik Schauhoff (Frodo) Lasst gerne eine Bewertung und Kommentare da und folgt uns auf Instagram: https://www.instagram.com/songs.of.history
VORSICHT SPOILER!
Verwendete Musik
Herbert Grönemeyer: Der Weg Autor: Herbert Grönemeyer Produzent: Alex Silva, Herbert Grönemeyer Album: “Mensch”, Grönland Records (EMI), 2002
Johannes Brahms: O Tod, wie bitter bist du (1896) Text: Martin Luther aus der Bibel: Jesus Sirach 41,1-2 → https://www.lieder.net/lieder/get_text.html?TextId=17719 Aufnahme von Frederik Schauhoff, Bariton und Franziska Staubach, Klavier (2026)
Transkript anzeigen
00:00:12: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Songs of History.
00:00:15: Deinem Podcast,
00:00:16: wenn du Musik liebst und die Geschichte dahinter entdecken möchtest!
00:00:20: Wir sind Fanny...
00:00:21: ...und Frodo.
00:00:22: Zwei Musikerinnen aus Köln.
00:00:24: Jede Folge widmen wir uns hier einem neuen Thema, so dem wir zwei passende Songs für euch rausgesucht haben.
00:00:30: Einen modernen und einen aus längst vergangener Zeit.
00:00:33: Wir tauchen ein in Schicksale, Emotionen und die Geschichten, die diese Werke lebendig machen.
00:00:39: Und zeigen dass man trotz des zeitlichen Abstands häufig mehr Ähnlichkeiten zwischen den Niedern findet als man vielleicht vermuten
00:00:47: mag.
00:00:47: Hier brauchst du kein Vorwissen.
00:00:49: hier geht's auch nicht nur um bestimmte Musik.
00:00:51: Hier bist Du einfach richtig wenn Du Songs und Geschichten liebst und Neues entdecken
00:00:56: willst.
00:00:57: Los geht´s
00:01:02: Also.
00:01:02: die Taschentücher liegen schon bereit.
00:01:04: Ja?
00:01:06: Und die andere Packung ist in der Vorbereitung schon aufgebraucht worden!
00:01:10: Aber das ist doch ambivalent, wir müssen noch eigentlich auch viel Lustiges machen wenn wir so viel Trauriges haben.
00:01:14: Haben wir denn überhaupt so viel trauriges?
00:01:16: Naja ich bin gespannt was jetzt das Pärchen-Lied sozusagen ist... Okay,
00:01:21: das Letzte ist ein bisschen traurig, das stimmt.
00:01:25: Also wir haben ganz lange überlegt ob Den Begriff Tod, glaube ich einfach ganz pragmatisch.
00:01:32: Das
00:01:32: wäre aber schon ziemlich ja Dauna geworden
00:01:35: oder Erlösung?
00:01:37: Das wär halt dann in die andere Richtung gegangen.
00:01:39: Deswegen habe ich zu dir gesagt, das ist nicht Fisch und nicht Fleisch, irgendwie ist das alles zu ambivalent hier als dass wir uns auf ein Begriff einigen können.
00:01:50: machen wir einfach das Thema ambivalenz.
00:01:53: Ambivalenz ist ja auch wirklich was, was uns irgendwie immer begleitet ne?
00:01:57: Was ich eigentlich wirklich schön fand war mir darüber Gedanken zu machen dass auch politisch eigentlich eine Demokratie ja von ambivalenz lebt weil man versucht eine pluralistische Gesellschaft abzubilden und damit auch ambivalente Meinungen sozusagen aushalten muss die sich widersprechen und einen gemeinsamen Kompromiss versucht zu finden über die Zeit.
00:02:22: Wogegen natürlich nur ein totalitäres System, versucht die Ambivalenz im Leben einzuhägen in dem es sagt Es geht nur so!
00:02:30: Und es gibt nur das und was anderes gibt es nicht.
00:02:33: Das hat mich irgendwie sehr hoffnungsvoll gestimmt dass wir vielleicht mit einer Regierungsform wie der Demokratie die Menschen irgendwie zu der Idee gekommen sind, ja es gibt diese Ambivalenz und wir müssen damit umgehen anstatt zu sagen das ist aber schlecht dass dich alles gleichförmig in eine richtung
00:02:49: wird.
00:02:49: Das wird immer komisch und zweifelhaft wenn alles
00:02:54: absolut
00:02:54: betrachtet wird.
00:02:56: also geht's mir genauso dass man sofort eigentlich ein Zweifel hegt wenn etwas zu sehr in eine Richtung rennt.
00:03:03: Ja
00:03:04: ich fand auch spannend.
00:03:04: Es ist wohl ein ziemlich junger Begriff Hätte ich nicht gedacht.
00:03:08: Ist das so?
00:03:08: Er stammt aus dem Lateinischen.
00:03:11: Überraschung!
00:03:12: Ambo, beide war leere Gelten.
00:03:14: also beides gilt.
00:03:16: So richtig wurde er tatsächlich erst vor so hundertzwanzig Jahren round about berühmt nämlich durch einen Schweizer Psychiater namens Eugen Bläuler.
00:03:25: der hat diesen Begriff geprägt und hatte ihn aber eigentlich eben benutzt für schizophrenische Zustände.
00:03:35: Also irgendwie ein pathologischer Begriff.
00:03:37: Eigentlich als
00:03:37: pathologischen Begriff, der hat sich da alle andere Dinge nicht so lange gehalten sondern hat sich verselbstständigt als Begriff und wurde dann wahnsinnig prominent durch die letzten Jahre.
00:03:47: heute keiner jeder Mensch damit irgendwas anfangen darüber nachdenkt was alles so ambivalent ist.
00:03:53: ja wenn wir bleiben es ist auch bei Sigmund Freud genauso dass er selber war ja fasziniert davon das menschen beispielsweise dieselbe personen lieben und hassen können auch da wieder die beiden seiten und Für ihn war das eben nichts krankes sondern so ein grundbestandteil unserer psüche.
00:04:16: bist du mensch kannst du gut das aushalten dass es gegensätzliche ideen gibt vielleicht auch in deinem eigenen kopf.
00:04:23: also sagen wir mal so ich muss es aushalten weil es existiert
00:04:28: ja aber du machst es nicht gerne oder freust du dich dann, dass du so Ein gegensätzlicher Charakter auch manchmal bist.
00:04:36: Ich finde das schon sehr spannend, ja also ist nie langweilig ich find das sehr spannend und ich brauche dass auch um.
00:04:44: Also diese Form der energie die da frei wird.
00:04:46: die finde ich sehr spannend mag ich auch aber es bringt schon auch Probleme mit sich.
00:04:52: absolut.
00:04:53: wir sind ja auch irgendwie so gepult ne?
00:04:55: Wir wollen eigentlich haben wir ganz fest im kopf wie wir handeln werden was wir denken werden und was wir dann machen werden, und wie so ein Tag abläuft.
00:05:07: Und im Endeffekt machen wir trotzdem nur einen Bruchteil von dem Ganzen.
00:05:14: In der restlichen Zeit machen wir andere Sachen – und manchmal sogar Sachen die komplett konträrt zu dem auf, was wir eigentlich mal vorhatten!
00:05:23: Die Freiheit, die wir inzwischen erlangt haben.
00:05:27: also durch diesen modernen Individualismus ist das Ganze irgendwie so zum Überschäumen gebracht worden.
00:05:34: Also die ganze Freiheit, die wir haben Verlust von klaren Rollen eigentlich, von kleinen Rollenbildern was alles wundervoll ist in Beruf und der Familie auch in der Religion zum Teil noch nicht.
00:05:52: Aber diese ganze Freiheit Die wir ja so lieben und die wir auch nicht missen möchten aber die bringt auch diese Entscheidungslast Zwischen diesen ambivalenten Polen hin und her zu springen.
00:06:06: Das ist vielleicht manchmal das, was ich jetzt meinte.
00:06:08: Ich muss es ja aushalten weil wir stehen vor der... Wir haben die Freiheit üben.
00:06:14: wie möchten sie auch nicht wieder loslassen?
00:06:18: aber manche Dinge würden weniger Energie kosten die vielleicht entschieden werden von außen.
00:06:26: Aber man möchte es natürlich nicht.
00:06:28: Also ich stimme dir total zu.
00:06:29: glaubst du dass uns das heutzutage Mehr so geht als Menschen beispielsweise in der griechischen Antike, weil da war ja beispielsweise in deren Götterbild, in deren Mythologie viel mehr Ambivalenz sowieso schon drin.
00:06:43: Weil diese Göttern gestalten selbst zu ambivalente Figuren waren.
00:06:46: Zum Beispiel?
00:06:48: Zum Beispiel war... Nehmen wir jetzt Dionysos als Gott.
00:06:54: Dionysus ist gleichzeitig der Gott für die Ecstase und also quasi der Party-Gott ist auch Gottesweines Und gleichzeitig aber auch der Gott des Wahnsinns.
00:07:04: Also er hat beide Seiten dieser Extase sozusagen
00:07:06: drin, dass
00:07:07: das positive wie auch das negative und er ist damit auch gleichzeitig der große Zerstörer.
00:07:13: nehme oder Athena als Göttin die gleichzeitig die Göttinnen der Weisheit ist, aber auch die Götten des Krieges Auch das sozusagen als Paar dann sozusagen zusammen beworfen.
00:07:23: in diesem Charakter.
00:07:26: Ich weiß es nicht ich habe mich ja nie persönlich mit einem alten Griechen unterhalten.
00:07:31: Ich kann mir irgendwie vorstellen, dass es vielleicht auch das einfacher gemacht hat als dieses... Wir haben ja schon in unseren monotheistischen Religionen den Versuch der einen Welt und der einen Moral, den wir folgen wollen.
00:07:47: Was auch viele Vorteile hat, hast du gerade geschildert?
00:07:50: Aber was es uns vielleicht auch schwierig macht wenn wir dann eben gleichzeitig merken, oh, wir schaffen's aber gar nicht zu hundert Prozent!
00:07:58: Das ist eigentlich spannend, weil wenn wir in die griechische Antike zurückgehen dann trotzdem gab es ja ganz klare Rollenbilder.
00:08:06: Das heißt der Alltag war ja total einseitig aber die Götter bildern nicht.
00:08:12: Aber wir heutzutage haben das Total Einzeitige Göttermild Rollenbilder, weiß ich.
00:08:21: Also ist schon geöffnet da.
00:08:22: natürlich aber auch Beziehungstypen sind auch noch geprägt
00:08:27: von... Ja und Rollenbäder existieren ja schon auch nochmal.
00:08:29: Wir versuchen das die aufzubrechen und sind teilweise auch erfolgreich.
00:08:32: Aber eigentlich
00:08:32: verrückt wie nah wir immer noch der griechischen Antike uns bewegen.
00:08:37: Im Bezug auf den Klaumen haben wir ihn sogar zurückentwickelt.
00:08:41: Ich weiss gar nicht ob ich sagen würde dass wir uns zurückentwicklede, aber wir haben auf jeden Fall irgendwie Es hat sich ein anderes Bild irgendwie rauszuschließen.
00:08:50: Spannend, ja.
00:08:52: Aber scheinbar ist immer noch so'n Eiertanz um diese ganze Sache, dass...
00:08:57: So richtig drüber geredet wird auch nicht?
00:08:59: Bei
00:08:59: Ambivalenz.
00:09:01: Ist dem Menschen auch irgendwie ein bisschen peinlich habe ich manchmal das Gefühl, dass es so ist.
00:09:04: Ich finde also der Begriff allein löst Unsicherheit aus und diese Unsicherkeit ist unangenehm.
00:09:14: Eine ambivalente Person, weil es ist schon auch bisschen negativ konnotiert.
00:09:18: Ja
00:09:18: stimmt würde ich auch sagen.
00:09:20: also wenn man so wenn man das so sagt ne ah das ist schon eine ambivalenten Person.
00:09:24: Das
00:09:25: ist eher
00:09:26: nicht positiv.
00:09:28: Also zeigt mir die eine Person die nicht ambivalend ist.
00:09:32: Aber woher kommt dieses Streben nach dieser Eindeutigkeit?
00:09:36: Na ist es dann nicht Streben halt noch Sicherheit, dass ja eines unserer Grundbedürfnisse Und Werte, nach denen wir streben und ich glaube eine Ambivalenz löst eben das oder löscht das vielleicht sogar aus.
00:09:52: Das ist ja der Grund wenn wir jetzt politische radikale Parteien betrachten warum da Ambivalenz keine Rolle spielt, weil dieser Zweifel der aufkommt nicht gut ist für eine klare Linie die man fahren sollte.
00:10:09: Absolut!
00:10:10: Welchen ambivalenten Song hast du heute dabei?
00:10:13: Es
00:10:13: ist ein sehr gefühlvoller Song und er beschreibt ambivalente Gefühle.
00:10:18: Es ist eine deutschsprachige Song, der aus unserer späten Kindheit jugend ist.
00:10:25: Und jetzt musst du mir sagen, möchtest du eher über die Biografie an den Song angeführt werden oder über den Text des Songs selbst?
00:10:33: Ich gucke mich hier an wie auf Kohlen tatsächlich!
00:10:37: Bist sowieso... ich weiß es bestimmt, ich weiß
00:10:40: Na ja, du sagst.
00:10:41: Also ich finde... Ja, mach's halt schwer!
00:10:44: Weiß nicht.
00:10:45: Boah also dann... Aber ich hab das Gefühl die Background-Story ist auch so bekannt, dass da wirst du es noch kennen.
00:10:52: Deswegen mache jetzt einfach mal ein paar Zitate.
00:10:55: Es ist nämlich ein wunderschöner Text und es gibt da dann tolle Sätze drin wie wir haben versucht auf der Schussfahrt zu wenden.
00:11:03: Wir haben versucht, auf der schussfahrts zu wende.
00:11:07: Kennste schon?
00:11:10: Du hast jeden Raum mit Sonne geflutet.
00:11:14: Okay, du kennst ihn.
00:11:16: Hast den Verdruss ins Gegenteil verkehrt?
00:11:20: Nein!
00:11:20: Du hast nicht der Weg...
00:11:21: Noo, die Schnobel!
00:11:24: Nein.
00:11:25: So.
00:11:26: Weil ich habe am Anfang überlegt okay kannst du das machen ist es ambivalent genug?
00:11:32: aber zum einen fand ich ... Der passt irgendwie zu unserem Lied am Ende und ich fand dass er eben eine dass er die Ambivalenz schön ausdrückt.
00:11:40: Er ist tief traurig, aber gleichzeitig wahnsinnig hoffnungsvoll und er erzählt von einer Erinnerung... ...die aber nur deswegen ja eben auch so stark sein kann weil es eine Erinnerungen ist, weil das eben nichts Aktuelles mehr sein kann.
00:11:55: Von wem isse?
00:11:56: Muss ich jetzt noch sagen?
00:11:57: Immer
00:11:58: Herbert Grönemeyer!
00:11:59: Der Weg aus dem Jahr nineteenhundert achtundneinzig.
00:12:02: Ich werde es nicht vergessen.
00:12:03: Das schönste Album weiß er uns das schönste und intensivste autobiografische Album eigentlich, was er finde ich uns hätte schenken können.
00:12:13: Ich find' dass es so ein gehaltvolles Album mit unfassbar tollen Texten.
00:12:19: Weil ich find einfach einen Punkt warum dieses Album so an besonderen Stellen wert – ich weiß nicht ob's nun für mich so ist oder für einige die seine Musik gerne hören – dieses autobiografische Happening dahinter ist.
00:12:37: Ja, und das verändert... Du kennst
00:12:38: die Story,
00:12:38: ne?
00:12:39: Genau!
00:12:39: Das Album ist quasi ja man kann schon sagen dass verarbeiten des Todes seiner Frau Die an Krebs glaube ich gestorben ist relativ früh Und sein Bruder ist auch...
00:12:51: Ja und sie sind von fünf Tagen.
00:12:53: also der Bruder is zuerst und fünf Tage später seine Frau.
00:12:56: Es ist absurd
00:12:58: Diese Texte, also ich weiß eben nicht ob es vor allen Dingen das Wissen ist um seine Geschichte.
00:13:05: Um die Situation oder ob diese Texte auch genauso ins Herz schießen würden wenn man das...
00:13:13: Wenn man das nicht wüsste?
00:13:14: Oder wenn das nicht so gewesen wäre?
00:13:17: Also ich glaube schon weil ich finde da sind wirklich Das sind so tolle Textpassagen und so toller Bilder.
00:13:23: Der arbeitet ja wahnsinnig mit Bildern.
00:13:25: Unfassbar, ja!
00:13:26: Allein den ich dir am Anfang gesagt habe wir haben versucht auf der Schussfahrt zu wenden.
00:13:30: Ich finde das ist eine so...das ist so ne schöne Metapher für etwas wo ich das Gefühl habe da kann ich...da gehen bei mir sofort in meinem eigenen Leben biografische Bilder an.
00:13:41: Wo ich das Gefühle hab' Da hat man auch mal versucht auf die Schuss Fahrt zu Wenden Und diese Unmöglichkeit dass wie willst du denn?
00:13:48: auf einer Schussfahrt wenden, das versucht hat.
00:13:52: Einfach weil man das Gefühl hat, man muss es jetzt versuchen und deswegen finde ich schon dass... Ich glaube selbst wenn man die... Das macht's natürlich noch emotionaler wenn man diese Geschichte kennt von Herbert Grönemeyer, die dann mit diesem Lied und diesem Album auch zusammenhängt.
00:14:08: aber ich glaube auch so ist es einfach eine so tolle Hommage an einen Menschen der nicht mehr da ist in seinem eigenen Leben.
00:14:18: Das ist halt... Und das kann doch jeder Mensch, also ich glaube selbst man muss da fühlen noch nicht mal einen Menschen durch Tod verlieren.
00:14:25: Sondern man kann ja Menschen auf viele Arten und Weisen irgendwie verlieren.
00:14:28: Deswegen trifft es Menschen dann weil man sich darin wiederfindet Weil man irgendeinen Menschen egal wer das ist und wenn's egal was für eine Freundschaft das war oder was auch immer Man hat das Gefühl oh wir haben so viel gemeinsam erlebt und jetzt irgendwie gibt diese Symbiose nicht mehr.
00:14:46: Ja und dafür hat er irgendwie dolle Worte gefunden.
00:14:48: Und natürlich ein episches Lied, also es ist ja wirklich episch oder?
00:14:53: Absolut!
00:14:53: Also mit diesem Streicherapparat was der da aufzieht das hat ein solches verlangend für
00:15:00: mich.
00:15:00: Aber trotzdem egal war...also er unterlegt das natürlich musikalisch immer finde ich sehr geschmackvoll und intelligent.
00:15:08: aber so zentral sind diese Texte
00:15:12: voll.
00:15:13: Und in dem Lied ist auch Das ist eigentlich die schönste Liebeserklärung.
00:15:19: Also du hast jeden Raum mit Sonne geflutet, hast jeden Vertruss ins Gegenteil verkehrt.
00:15:27: und das was für eine nordisch-nobel deine sanftmütige Güte dein unbändiger stolz das Leben ist nicht fair.
00:15:33: Die schönste liebes Erklärungen so eine unglaubliche Hochachtung vor seiner Ehefrau Und ein Glück dass er da beschreibt nicht mehr da, aber ich gehe nicht weg.
00:15:48: Ich habe meine Frist hier verlängert.
00:15:50: Neue Zeitreise.
00:15:52: Trotzdem diese Stärke wie am Ende vollzum ersteht.
00:15:56: das ist jetzt etwas neues und ich bleibe für uns beide hier so.
00:16:01: dieser Titel.
00:16:02: der Weg beschreibt ja weitergehen eigentlich im Weg ist weiter gehen.
00:16:07: und dass es schon diese krasse Ambivalenz bei einer stirbt geht vermutlich woanders weiter Ein anderer muss aber am gewohnten Ort weitergehen.
00:16:19: Hätte man jetzt auch den Wegweise
00:16:21: aus der Winterreise noch einpacken, eine Straße musste ich gehen die noch keiner ging zurück?
00:16:26: Ich liebe diese erste Strophe diesen allerersten Anfang!
00:16:30: Ich
00:16:30: kann nicht mehr sehen!
00:16:31: Trau'n nicht mehr meinen Augen Kann kaum noch glauben Gefühle haben sich gedreht.
00:16:37: Das ist auch die Ambivalenz.
00:16:39: Also das Gefühl was gestern noch so war ist heute genau das Gegenteil.
00:16:44: Ich bin viel zu träge, um aufzugeben.
00:16:46: Über diesen Satz habe ich schon sehr lange nachgedacht.
00:16:51: Warum ist man zuträg umaufzugeben?
00:16:53: Das
00:16:54: ist so krass!
00:16:55: Ja das ist total krass.
00:16:56: Also ich weiß irgendwie was er meint aber im ersten Moment ist es wieder sinnig oder?
00:17:01: Weil man denkt sich doch ja ne wenn man Träger ist gibt man auch.
00:17:05: Aber er sagt nee ich bin viel Zuträge um aufzugeben.
00:17:09: Es wäre auch zu früh, weil immer was geht.
00:17:12: Wir waren verschworen und jetzt wären füreinander gestorben.
00:17:15: Das ist so traurig.
00:17:16: bei einer ist er gestorbt.
00:17:19: Oh Gott, warum hast du dieses Lied mitgebracht?
00:17:23: Weil es ist doch wirklich eines der schönsten deutschsprachigen Pop-Songs die wir haben.
00:17:29: Falls
00:17:29: es da draußen Leute geben sollte, die diesen Song noch nicht kennen... Ihr kriegt jetzt nur ein paar Sekunden und wenn ihr zu Hause euch nicht die gesamte vierminütige Dingern hört, dann seid ihr wirklich selber schuld weil dann verpasst ihr eine der dolzen musikalischen Sachen.
00:17:44: Mach mal die Taschenfüße auf!
00:18:09: Weiter geht's.
00:18:18: Weiter
00:18:18: geht es!
00:18:20: Weiter leben?
00:18:22: Ja, aber...
00:18:24: Man erlebt den immer.
00:18:25: Man erlebt ihn so.
00:18:26: Den
00:18:26: erleb man oder?
00:18:27: Den erlebt man.
00:18:28: Der hat
00:18:28: auch so'n Prozess.
00:18:30: So'n Streicher ein Baden also man badet in ihrer Güte irgendwie dir wie er sie beschreibt.
00:18:38: und Also, meine Güte ist der Talentier wirklich.
00:18:43: Mir ist... Bevor ich jetzt diesen Song als hier mitgebracht habe und den dann nochmal anders bewusst gehört habe mir ist vorher nie aufgefallen es gibt keinen Schlagwerk da drin Es gibt kein Schlagzeuges, keine Gitarre, kein Bass.
00:18:58: Es gibt nur Herbert Grönemeyer mit seiner Stimme Herbert Grönemeyer am Keyboard Und die Streicher mit wirklich einem episch fetten Streichersatz, der richtig aufgeht.
00:19:13: Also ein richtiges Streichorchester.
00:19:16: Reicht!
00:19:17: Reicht oder?
00:19:18: Reicht Aber ist irgendwie toll weil das widerspricht ganz vielen Regeln.
00:19:22: gefühlt der Pogmusik in Form von Ja, ein Beat brauchst du auf jeden Fall irgendwie drunter Da braucht er keinen Beat.
00:19:30: Das...
00:19:30: Was ist das pure?
00:19:31: Das geht einfach
00:19:32: auch Direkt
00:19:33: geradeaus.
00:19:35: So jetzt sind wir beide ausgenockt
00:19:37: Sind mal ausgenokt aber Jetzt kommt der nächste Armour.
00:19:41: Ja,
00:19:41: der nächste Klopper aber auch der... Ich muss mich sammeln so!
00:19:46: Auch hier berührt das finde ich autobiografisch esso sehr.
00:19:50: Ich habe mich gefragt warum gerade die vier ernsten Gesänge so doch einen besonderen Stellenwert haben für uns?
00:19:59: Für mich zumindest.
00:20:00: Ich weiß nicht wie's für dich ist, aber Brahms hat Das Werk, ja nur haben wir bei den letzten Folgen sicher das ein oder andere Mal gesagt.
00:20:09: Nur wenige Monate vor seinem eigenen Tod Uhr aufgeführt und allein ich glaube schon das Wissen darum... Wie du sagst der geist das wissen darum dass das berührt einfach.
00:20:23: Die ohrführung war neunten november.
00:20:24: Achtzehn sechsen neunzig und er starb dann letztlich am dritten april.
00:20:29: achtzehn siebenneinzig lieber krebs oder weißt du was das eigentliche Todesurteil von?
00:20:36: weiß ich nicht.
00:20:36: nein aber ich meine Also ein bisschen gebrochenes herz möchte ich ihm zumindest unterstellen.
00:20:49: Und ich meine, er hat sogar diese Lieder vertont genau über die Zeit, sie hatte einen Schlaganfall.
00:20:54: Er hat das mitbekommen und hat angefangen, diese Lieder zu schreiben auf den nahenden Tod seiner ewigen geliebten
00:21:00: klarer Schuhe.
00:21:02: Ja!
00:21:02: Ich so spannend finde, er hat diese Texte aus dem alten Testament vertont.
00:21:11: Er war religiös ja man würde ihn vielleicht bezeichnen aber als liberal protestantisch heutzutage.
00:21:19: Aber er war jetzt kein orthodoxgläubiger Christ Was man zumindest über ihn weiß.
00:21:26: was wenn du zum Beispiel ein deutsches Requiem von ihm anguckst ist auch der Fokus hauptsächlich Trost für die Lebenden Vergänglichkeit, das menschliche Leid.
00:21:37: weniger jetzt vor Gericht sein.
00:21:41: Die Hölle... Das ist das was für mich irgendwie so besonders ist obwohl er diese Texte nutzt und was es dann so nahbar vielleicht auch macht?
00:21:52: Ja Ja, er ist auch so direkt.
00:21:54: Direkt!
00:21:55: Er ist wahnsinnig direkt in seiner Komposition.
00:21:57: Ja gerade
00:21:58: hier, also in der Kompositionsweise sowieso.
00:22:01: aber wie er das... Der Anfang der Texte allein, er spricht ja den Tod direkt an.
00:22:07: Also O-Tod Wie bitter bist du?
00:22:10: Und später eben heißt es nicht o-tod wie bitter bist Du sondern o-to-dwie wohl tust Du.
00:22:17: und diese direkte Ansprache Das ist schon Gänsehaut.
00:22:22: Schon von Anfang an!
00:22:24: Ja, aber es sind tatsächlich auch diese zwei Seiten.
00:22:28: Du hast ja schon gesagt einen Text aus dem Alten Testament.
00:22:32: Aus dem Buch.
00:22:34: im Deutschen sagt man am ersten Jesus-Sierach oder Ben-Siera, das ist im Kapitel einundvierzig.
00:22:40: Das ist ein relativ spätes Buch des Alten Testaments.
00:22:43: circa hundertachtzig vor Christus in Jerusalem entstanden dieser Benzierer, der hat quasi eine philosophische Schule des Judentums geleitet.
00:22:51: Das ganze Buch sind quasi Leersätze und hier widmet er sich eben diesem krassen Gegensatz des Todes in Form von einmal ist der Tod natürlich hart nämlich für alle Menschen wie ihr sagt die eben gute Tage noch haben, die ohne Sorge leben können den es wohl geht in allen Dingen Und die eben noch essen können und wo eigentlich alles Gute ist, dass es schlimm wenn der Tod kommt.
00:23:20: Um dann eben diesen Bruch dann zu machen.
00:23:23: aber den dürftigen...
00:23:26: Ja!
00:23:26: Die Not leiden.
00:23:27: Die
00:23:27: notleiden, die schwach und alt sind Für die ist das eine Erlösung für die Ist der Tod was Schönes.
00:23:34: und Brahms baut das als ein so krassen Gegensatz?
00:23:38: Absolut Allein.
00:23:40: die Tonart, die er nutzt beginnt in E-Moll und dann die ambivalente Textstelle wird nach Edur versetzt.
00:23:48: Musikalische Ausdrucksmittel für diesen Textkontrast sind dieser ganz unbegleitete Anfang wo Ohr tot, ganz deklamiert ist und diese Kloppe ähnlicher Terzfall also so wirklich Todesglocken für das Verhängnis des Todes.
00:24:07: Sechsten, also diese besondere Intervallik für den Tod sozusagen als Wohltäter.
00:24:14: Ja dieser Dur-Sechs ist ja auch das Liebesintervallen.
00:24:19: Also so eine Dur-Sechs, also große Sext hoch... Das ist bis in die Popmusik heute Wenn so eine große Sext genommen wird als Intervall für etwas, dass es immer
00:24:33: ... So hymnisch irgendwie auch.
00:24:34: Ja sehr hymnig
00:24:35: und auf geht's.
00:24:36: Und ich finde
00:24:37: bei Brahms geht die Phrase auch einmal das wird so ausufernd und ewig und zieht sich richtig schön lang hin.
00:24:44: Also gerade für mich fast eine horizontale Ebene, wo gegen den Anfang der ist sehr vertikant.
00:24:52: Du hast dieses Fumfum!
00:24:58: Das sind Schläge, die da richtig reinhauen.
00:25:01: Und das ist so ... Eigentlich fast diese ... Wo es sich dann, wenn's in diesen Achtel, in diesem Fluss, sag ich mal übergeht hat fast schon was Rezitativisches und... Es gibt ja eine totale rhetorische Symmetrie vom Anfang und von dem dazugehörigen Mittelteil nicht.
00:25:20: Ich meine er benutzt auch nur die ersten Ferse?
00:25:23: Nicht die gesamte Textstelle!
00:25:26: Die ersten beiden Bibelfersen nutzt er und das ist wirklich absolut symmetrisch.
00:25:31: Und wie das neben ein Her geht, ist so spannend...
00:25:36: Auch dass es ihm nicht auseinander fällt?
00:25:38: Also man könnte ja sagen oh, das ist hochgewagt.
00:25:41: also auf der einen Seite ist auch sehr simpel, wenn du das liest.
00:25:45: Der Text ist sehr gegensätzlich, also liegt es auf der Hand da für irgendwie ein musikalisches Mittel zu finden.
00:25:52: aber das könnte dir oft total misslingen als Komponist.
00:25:55: Dass du dann auf einmal man das Gefühl hat, ja aber irgendwie passt es auch nicht zusammen.
00:25:59: Also dass du diese Gegensätze so gebaut hast.
00:26:02: Aber der Brahms schafft das auf eine so eindrückliche und gleichzeitig doch auch subtile Art und Weise... ...dass er sich trotzdem als ein sehr stimmiges Lied am Ende anfühlt.
00:26:13: Und das finde ich ist auch ne große Kunst.
00:26:15: Diese Gegensetze so zusammen zu binden.
00:26:18: Ja jeder Todesgrund verschien und jeder auch mit dem Tod konfrontiert ist, sei es der, der gehen muss oder der noch hier auf der Erde verweilt.
00:26:28: Der muss sich dazu auch irgendwie sein ganz eigenes Bild machen wie er ihn sieht und wie er ihm auch sehen möchte ob er erlöst, befreit, schmerzt, furchtbar traurig macht.
00:26:43: Das alles
00:26:48: steckt in diesem Lied.
00:26:49: Machen wir es?
00:26:50: Machen was.
00:26:51: Adio!
00:26:52: Ciao.
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